Raucherpausen – Unfair gegenüber Nichtrauchern?

Raucherpause – Unfair gegenüber Nichtrauchern?

Raucherpause – Unfair gegenüber Nichtrauchern?

Während Raucher mehrmals am Tag eine Raucherpause einlegen bleibt den Nichtqualmern nichts anderes übrig, als eben weiter zu arbeiten. Dadurch können schnell Ungerechtigkeiten in einem Unternehmen entstehen – und nicht nur das: Es bringt auch erhebliche Kosten mit sich. Wie wird diese Pause eigentlich rechtlich geregelt und gibt es einen Weg alle Parteien zu befriedigen? Interessante Überlegungen, Fakten und Lösungsansätze zur berüchtigten Raucherpause.

Gepostet: 30. November 2020

Autor: Nico Dobmeier

Kategorie:  Human Resources

Lesezeit: 4 Minuten

Die ersten Telefonate sind geführt. Ein paar E-Mails sind schon raus. Gerade eben ist das Meeting zu Ende gegangen. Es ist 10:00 Uhr. Gutes Timing, um schnell eine rauchen zu gehen. Eine kurze Auszeit, um den Kopf frei zu kriegen. Mit dem Kollegen über das Wochenende plaudern. Nur ein paar Minuten, dann geht es weiter.

Die Raucherpause – jeder hat sie bereits miterlebt. Entweder als handelnde Person oder als Beobachter. Es ist eine Grauzone, die seit vielen Jahren zu Diskussionen und Konflikten führt. Ist das überhaupt erlaubt? Wie kommt das bei den Nichtrauchern an? Welche Auswirkungen hat das für den Arbeitgeber?

Diese Fragen werden im folgenden Beitrag beleuchtet und beantwortet. Zudem kümmern wir uns darum, welche Veränderungen in naher Zukunft auf uns zukommen werden und welche Chancen sich daraus ergeben. Sowohl aus Sicht der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer.

Raucherpause - Unfair gegenüber Nichtrauchern?

Eine Zigarette zwischendurch – eine teure Angelegenheit

Erst kürzlich ergab eine Studie der Ohio State University, dass ein Unternehmen je Raucher ca. 6.000 US Dollar drauf legt. Umgerechnet etwas mehr als 5.000 EUR. Packen wir jetzt noch die Auswertung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dazu, die besagt, dass 30 % und damit ca. 20 Mio. Menschen in Deutschland rauchen, dann wird schnell klar, in welcher Dimension wir uns bewegen. Doch wie ergeben sich die Kosten?

Die Raucherpause wird im Durchschnitt zwei Mal pro Tag eingelegt. Pro Mitarbeiter jeweils ca. 10 Minuten. Der Gang in die Raucherzone hin und zurück, ein bisschen Small Talk mit dem Kollegen und natürlich das Rauchen an sich. Da häuft sich schnell einiges an Zeit an, die vom Arbeitgeber teilweise sogar noch während der Arbeitszeit erstattet wird. Am Ende der Woche bedeutet das eine unproduktive Zeit von starken eineinhalb Stunden pro Mitarbeiter. Auf den Monat gesehen machen das sechs Stunden aus. Multipliziert mit dem aktuell durchschnittlichen Stundenlohn von 18,63€ , der in Deutschland zuletzt 2019 ermittelt wurde, ergibt das unter dem Strich im Jahr 1.341,36 EUR, die dem Unternehmen pro Mitarbeiter verloren gehen. Spätestens mit diesen Zahlen läuten die Alarmglocken bei den Arbeitgebern.

Gibt es rechtliche Vorgaben in Sachen Raucherpause?

Grundsätzlich hat der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit keinen rechtlichen Anspruch auf das Rauchen. In der gesetzlich geregelten Pause (§ 4 ArbZG) von 30 oder 45 Minuten kann dies jedoch nicht untersagt werden. Trotzdem wird die Zigarette in vielen Unternehmen auch während der Arbeitszeit genehmigt. Ermöglicht wird dies durch individuelle Betriebsvereinbarungen. Oft aus reinen Kulanzgründen oder als Benefit für den Mitarbeiter. Ansonsten kann die rauchende Belegschaft dazu verpflichtet werden, ihre Raucherpausen abzustempeln. In welcher Häufigkeit die Unterbrechungen stattfinden dürfen, entscheidet der Arbeitgeber. Das Aufholen der verlorenen Zeit ist jedoch meist kein leichtes Unterfangen.

Weiterhin obliegt es dem Arbeitgeber bzw. der Betriebsvereinbarung selbst, ob ein separater Raucherraum installiert wird oder nicht. Eine rechtliche Verpflichtung gibt es dazu nicht. Sollte also keine Raucherzone vorhanden sein, muss der Arbeitnehmer für die „Fluppe“ wohl oder übel in den Außenbereich wandern. Selbst bei ungemütlichen Witterungsbedingungen. Hinzu kommt, dass der Arbeitnehmer während der Raucherpause nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht. Unabhängig davon, ob es sich um eine bezahlte oder unbezahlte Raucherpause handelt. Ein großer Nachteil. „Qualmen“ ist Privatsache und liegt damit in der Verantwortung des Arbeitnehmers.

Raucherpause - Unfair gegenüber Nichtrauchern?

Raucherpause: Raucher vs. Nichtraucher

Klingt wie ein Duell, doch soweit kommt es in der Regel nicht. Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern sind jedoch nicht unüblich. Letztere sehen sich meistens im Nachteil, vor allem wenn die Raucherpause bezahlt wird. Weniger Pause bei gleicher Bezahlung. Die Gedanken werden oftmals mit sich selbst ausgemacht, anstatt das Gespräch zu suchen. Das sorgt schnell für Unmut. „Jetzt geht der schon wieder eine paffen“. Wir kennen es alle. Zudem müssen während der Raucherpause Aufgaben von den Kollegen übernommen werden. Hier mal fünf Minuten, dort mal zehn Minuten. Man wird aus seiner eigenen Arbeit herausgerissen. Auf Dauer kann das ebenfalls für eine gereizte Stimmung sorgen. Schlussendlich schlägt sich das auf die Produktivität der Belegschaft nieder. Sowohl bei den Rauchern als auch bei den Nichtrauchern. Die Leistungsbereitschaft sinkt und die gesteckten Unternehmensziele werden dadurch in Gefahr gebracht. Deshalb sollte der Arbeitgeber vor dem Konfliktthema Raucherpause die Augen nicht verschließen.

Gerechte Raucherpausen – Lösungen für alle Beteiligten

Wie wäre es mir einer „Raucherpause für Nichtraucher“? Dass Raucher weiterhin Zigarettenpausen einlegen werden, steht hier außer Frage. Warum sollten sich aber nicht auch die Nichtraucher ab und zu eine Auszeit gönnen? Da kann man dann auch richtig kreativ werden: Eine kurze „Ich-Zeit“, in der sie eben eine Runde „Candy-Crush“ spielen oder in der Runde einen Schokoriegel essen? Egal welche Sucht befriedigt wird, jeder sollte seine Pausen selbstständig einteilen dürfen. Oder?

Denkbar wären aber auch bezahlte Frühstücks- oder Kaffeepause für Nichtraucher. sodass Mitarbeiter die Wahl haben, ob sie eine Zigarettenpause oder eine andere Art von Pause haben möchten. Natürlich ließe sich der Fairness wegen auch die bezahlte Raucherpause abschaffen. Auch wenn man als Arbeitgeber die Gewohnheiten der Mitarbeiter akzeptiert, muss man gesundheitsschädliche und bei anderen Mitarbeitern für Unmut sorgende Laster vielleicht nicht auch noch unterstützen.

Bei der Umsetzung könne Zeiterfassungssysteme eine große Unterstützung sein und sogar automatisiert Raucherpausen in vorher festgelegten Intervallen bei den betreffenden Mitarbeitern abziehen. Außerdem werden Stundenzettel, Excel und Vertrauensarbeitszeit wohl bald der Vergangenheit angehören. Gegenwart und Zukunft sind digitale Softwarelösungen, wie die ganzheitliche Unternehmenssoftware von ACCENON. Dahinter steckt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Zeiterfassung, das im Mai 2019 für Furore sorgte. Zukünftig sollen Arbeitgeber dazu verpflichtet werden, die Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Zwar wird dies von vereinzelten Unternehmen bereits praktiziert, bis dato jedoch ohne rechtliche Verpflichtung. Die angeordnete Zeiterfassung betrifft ebenfalls die Raucherpause. Mittels Zeiterfassungsterminals und RFID-Ausweisen auf dem Firmengelände oder mobilen bzw. digitalen Lösungen ist es unter anderem möglich, die für das Rauchen aufgewendete Zeit durch individuelle Buchungsschlüssel genau zu erfassen. Der Arbeitgeber erzielt dadurch ein enormes Zeit- und Geldersparnis, das die Investition einer Zeiterfassungslösung sehr schnell amortisiert. Auf den ersten Blick ein Nachteil für die rauchende Belegschaft, da diese Zeit oftmals auf Kosten der Arbeitgeber übernommen wurde. Schaut man jedoch genauer hin merkt man schnell, dass sich dadurch tolle Chancen ergeben. Diese Regelung sorgt für mehr Gleichberechtigung zwischen den Angestellten. Streben wir nicht alle nach einem angenehmen Arbeitsklima?

Raucherpausen werden bedachter eingelegt und es wird somit womöglich auch weniger geraucht. Der Arbeitgeber hat mehr von seinem Arbeitnehmer und der Raucher erfährt vielleicht im Zuge dessen auch einen positiven Einfluss auf seine Gesundheit.

Raucherpause - Unfair gegenüber Nichtrauchern?

Die Raucherpause – ein Fazit

Die Raucherpause kann schnell zum emotionalen und hitzigen Thema in der Belegschaft werden – ob es nun die Nichtraucher sind, die sich über die bezahlten Pausen ärgert oder die Raucher, die sich eingeschränkt fühlen, wenn man sie ihnen wegnehmen will. Gerade deshalb ist es aber auch so wichtig, dass sich Arbeitgeber um eine möglichst faire Lösung bemühen. Entweder bekommen also alle Mitarbeiter die Möglichkeit, sich im Laufe des Tages eine kleine Auszeit zu nehmen oder diese ist für alle Mitarbeiter eine private Angelegenheit, für die es auszustempeln gilt.

Wofür entscheiden Sie sich? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!

Bildquellen: Andrew Leu, Jeff Siepman, Jessie Mccall, Michael Longmire, Ramiz Dedakovic

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2020-12-02T17:59:37+01:00

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