Die 4-Tage-Woche: Traum oder realistisches Ziel?

Die 4-Tage-Woche: Traum oder realistisches Ziel?

Die 4-Tage-Woche: Traum oder realistisches Ziel?

Die neu entflammte Debatte um die 4-Tage-Woche beschäftigt unsere Medienwelt. Doch wie realistisch ist dieses Ziel? Ist das Modell für jeden von uns in greifbarer Nähe oder gibt es Abstufungen für die einzelnen Wirtschaftszweige? Fakt ist, der Reiz ist groß, die 4-Tage klingen charmant und nach mehr Freizeit. Doch dieses Freizeit-Plus wird in der aktuellen Wirtschaftskrise von einer anderen Warte aus betrachtet. Kann uns die 4-Tage-Woche vielmehr durch die Krise bringen? Wie kann das Modell gelingen und welche Hausaufgaben gilt es vorher zu erledigen?

Gepostet: 04. Januar 2021

Autorin: Sabrina Schäfer

Kategorie:  Human Resources

Lesezeit: 2 Minuten

Die Debatte um eine Arbeitszeitverkürzung ist zurück. Viele Gewerkschaften fordern in der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Lage, die Einführung einer 4-Tage-Woche. Für die Gewerkschaften oder Arbeitnehmervertreter heißt das, weniger Arbeiten bei vollem Lohnausgleich. Vor Beginn der Corona-Pandemie war die 4-Tage-Woche meist doch eher ein kleiner Traum, der jetzt vielleicht in greifbare Nähe rückt. Ursprünglich stand vor allem das Freizeit-Plus im Vordergrund. Jetzt geht es vielmehr um die Bewältigung einer Krise. Die Verkürzung der Arbeitszeit kann ein probates Mittel sein, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern.

Hoffnung auf Arbeitsplatzsicherheit

Auch die Arbeitgeberseite denkt vorsichtig in diese Richtung. Doch ein volles Gehalt bei weniger Arbeitszeit wird nicht gesehen. Die Arbeitgeberseite sieht in der 4-Tage-Woche die Chance, auslaufende Kurzarbeitsansprüche abzufangen und die Arbeitsplätze und die damit verbundenen Fachkräfte zu erhalten. Gerade im Bereich der Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie werden bereits jetzt Vereinbarungen geschlossen, die Arbeitszeitkürzungen um bis zu 20 Prozent vorsehen. Bei manchen Branchen ist die Tinte unter der Vereinbarung schon getrocknet. Im Gegenzug wird den Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2022 oder länger zugesichert – ohne Lohnausgleich. Doch die Beteiligten sind sich hier in einem Punkt einig: Das funktioniert „nur“ in Branchen, in denen gut verdient wird. Für Geringverdiener oder Branchen mit niedrigeren Einkommen ist das keine Option. Denn 20 % weniger Lohn über einen sehr langen Zeitraum, trifft viele Arbeitnehmer hart.

Die 4-Tage-Woche: Traum oder realistisches Ziel?

Freizeitplus als ursprüngliches Ziel

Doch die 4-Tage-Woche hat ihren Ursprung an einer anderen Stelle. Mehr Zeit für das Privatleben und drei Tage Wochenende waren der Plan. Am Freitag den Kopf frei haben für die Familie oder auch, um persönliche Dinge zu erledigen. Eine höhere Motivation durch eine bessere Aufteilung von Arbeit und Freizeit. Diese Ziele waren es einst, die die Befürworter der 4-Tage-Woche vortrugen.

Doch eine reine Verkürzung der Arbeitszeit führt nicht automatisch zum Erreichen der obig genannten Ziele. Denn bei gleicher Arbeitsbelastung kommt es dann zu einer Arbeitsverdichtung, welche wiederum Stress und andere negative Konsequenzen zur Folge hat. D.h. in Branchen, mit unverändert hoher Auslastung, funktioniert eine 4-Tage-Woche nur, wenn mehr Personal eingesetzt wird. So kann das Konzept zu einer ganzheitlichen Steigerung von Effizienz und Zufriedenheit auf Seiten der Arbeitnehmer und -geber führen.

Modelle aus dem Ausland, z.B. von Microsoft in Japan, bieten uns Orientierungspunkte und Umsetzungsmöglichkeiten. Hier hat die 4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich zu einer Steigerung der Produktivität der Beschäftigungen um 40 Prozent geführt. Die 2.300 Mitarbeiter am Standort haben im August jeweils vier Tage gearbeitet und hatten dann drei Tage frei. Als Vergleichsmonat dienen Werte aus dem August 2018. Doch wie lässt sich das erklären? Zum einen sind die Energiekosten durch die verkürzte Anwesenheitszeit um knapp 25 % gesunken, die Menge der Ausdrucke fiel sogar um 60 %. Neben der Verkürzung der Arbeitszeit wurden zeitgleiche interne Abläufe und Vorgaben optimiert. So durften z.B. Konferenzen nur noch 30 Minuten andauern.
Einen nicht zu unterschätzenden Anteil haben die Mitarbeiter dazu beigetragen. Denn für die Angestellten war klar, wer sich bei dem „Experiment“ richtig anstrengt und überzeugt, der ebnet den Weg für solch ein neues Arbeitsmodell. Microsoft möchte aufgrund der guten Erfahrungen einen weiteren Probelauf durchführen.

Die 4-Tage-Woche: Traum oder realistisches Ziel?

Fazit – individuelle Lösungen sind möglich

Eine 4-Tage-Woche ist damit pauschal betrachtet nicht für alle Arbeitnehmer angenehmer. Eine differenzierte Betrachtung der Arbeitsauslastung, Tätigkeitsfeld und mögliche Gehaltseinschnitte müssen für jede Branche herangezogen werden. Fakt ist, die 4-Tage-Woche bietet derzeit eine Chance, Arbeitsplätze langfristig zu sichern, wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf eine verträgliche Lösung in Sachen Lohnausfall einigen. Ein solches Modell erfordert auch genaue Absprachen. Denn nicht alle Branchen können ihre Arbeitnehmer künftig am Montag oder Freitag zu Hause lassen. Es gilt, Versorgungsketten oder Servicevereinbarungen aufrechtzuerhalten und unsere Wirtschaft nicht zu schwächen. Die 4-Tage-Woche kann als Ziel zur Effizienzsteigerung dienen, wenn die Parameter auf die einzelnen Branchen korrekt abgestimmt sind.

Bildquellen: Habib Dadkhah, Drew Coffman, Gustavo Fring

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